Langzeitleistungsbezieher: Nur jeder vierte ist langzeitarbeitslos

In Deutschland beziehen insgesamt 6,1 Millionen Menschen Arbeitslosengeld II. Knapp die Hälfte davon sind erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die einen Langzeitleistungsbezug aufweisen. Dabei sind nicht alle Hartz IV Empfänger langzeitarbeitslos. Viele Menschen vergessen, dass sich das Arbeitslosengeld II nach Bedürftigkeit und nicht dem Status der Arbeitslosigkeit richtet.

Anfang November 2015 veröffentlichte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eine aktuelle Studie zum Thema Langzeitarbeitslose und der Grundsicherung für Arbeitssuchende. Untersucht wurde, ob und wie die Langzeitarbeitslosigkeit mit dem Langzeitleistungsbezug von Arbeitslosengeld II (ALG II) in Zusammenhang steht. Überraschend ist, dass lediglich jeder vierte erwerbsfähige Langzeitleistungsbezieher von Hartz IV auch langzeitarbeitslos ist.

Arbeitsmarktentwicklung 2015: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen bleibt unverändert

Obwohl sich der Arbeitsmarkt in Deutschland weiterhin aufgrund der guten Wirtschaftslage positiv entwickelt und die Zahl der Arbeitslosen im Oktober 2015 erneut auf ein Rekordtief von knapp 2,7 Millionen gesunken ist, stagniert die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit 2010. Sie liegt aktuell in Deutschland bei etwa einer Million. Denn Arbeitslose profitieren von dem steigenden Beschäftigungstrend eher weniger. Viele passen aufgrund ihrer Qualifikation nicht zu den offenen Stellen auf dem Arbeitsmarkt oder der Arbeitsplatz ist zu weit vom Wohnort weg. So wurde die Beschäftigungsnachfrage unter anderem durch Zuwanderung abgedeckt.

Nur wenige Hartz IV Empfänger sind gleichzeitig langzeitarbeitslos

Laut IAB „zählt offiziell als langzeitarbeitslos, wer mindestens ein Jahr arbeitslos gemeldet ist.“ Demnach erhalten betroffene Personen in diesem Fall Arbeitslosengeld I (ALG I). In der Regel gilt der Anspruch lediglich für ein Jahr. Daher beziehen einige Menschen, die länger als ein Jahr ohne Arbeit sind, anschließend Arbeitslosengeld II. Dabei liegt der Unterschied darin, dass für den Leistungsbezug von ALG II eine Arbeitslosigkeit nicht Voraussetzung ist. Denn der Bedarf nach Leistungen richtet sich unabhängig vom Status der Arbeitslosigkeit an der Bedürftigkeit der Personen. Daher beziehen nicht nur Menschen ohne Arbeit, sondern auch erwerbsfähige Menschen oder Familien in schlechten finanziellen Lebenslagen ALG II. Dabei weisen zwar viele Langzeitarbeitslose einen langen Leistungsbezug auf, aber „umgekehrt ist nur etwa jeder vierte Langzeitbezieher von Arbeitslosengeld II auch gleichzeitig langzeitarbeitslos“ ermittelt das IAB.